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Das bedeutendste Kunstwerk in unserer Kirche: Maria mit dem Kind

Im Monat Mai betrachten wir das wertvollste Kunstwerk unserer Kirche „Unsere Liebe Frau“.

Diese schöne Madonna in Effeltrich wurde gemeinsam mit der hl. Katharina und Barbara in der Spätgotik um 1520 von einem leider unbekannten Künstler wohl aus Nürnberg gestaltet. Ganz ähnliche Figuren stehen in der Kirche St. Jakob in Nürnberg. Doch auch der dortige Name des Bildschnitzers ist nicht überliefert. Sicher standen die Figuren des linken Seitenaltars bis zum 18. Jahrhundert (gemeinsam mit den Heiligen Georg, Laurentius und Sebastian) im Schrein eines großen gotischen Flügelaltars im Chorraum. Die neue Aufstellung von 1980 erinnert wieder daran. Während der Barockisierung unserer Kirche um das Jahr 1720 wurden die drei männlichen Figuren in die neuen Nischen über dem Portal der Mauer gestellt, die drei weiblichen bildeten eine Gruppe auf dem linken Seitenaltar mit einem barocken, später mit einem neugotische Aufbau, der in den sechziger Jahren leider verkauft wurde.

Wieder zurück zur Kunstgeschichte.

Die Gotik übernimmt eine der byzantinischen Darstellungsformen der Maria, die sogenannte Hodegetria, was soviel wie „Wegführerin“ bedeutet. Die Gottesmutter wird dabei stehend dargestellt, mit dem segnenden Christuskind auf dem linken Arm. Meist zeigt Maria mit der rechten Hand auf Jesus als dem Weg des Heils.

Langsam wandelt sich die strenge Maria zur liebenswürdig menschlichen mit einer innigen Beziehung zum Kind. Einen Höhepunkt dieser Entwicklung stellen die „schönen Madonnen“ des weichen Stils um 1400 dar, wie ihn die Künstlerfamilie der Parler geschaffen haben.

Unsere Madonna steht am Ende dieser Entwicklung der Gotik. Sie hat nach wie vor die S-förmige Grundform, von der Krone beginnend über den Kopf, die linke Schulter über das von der Hand zierlich geraffte Kleid bis hinunter zur Mondsichel. Das edle Gesicht, der reiche Faltenwurf des Gewandes und die Körperhaltung, die der einer edlen Frau der Spätgotik entspricht, zeigen, dass ein großer Künstler diese Madonna aus Lindenholz geschnitzt hat.

Maria trägt in der einen Hand das Zepter und in der anderen Jesus, den Welten-herrscher. Er ist nicht als liebliches und hilfloses Baby dargestellt, sondern wie ein Erwachsener in geradezu fürstlicher Positur auf dem Herrscherthron. Die Art der Darstellung lässt uns an das Evangelium nach Lukas denken, wo der Engel Gabriel zu Maria sagt:

„Du wirst ein Kind bekommen...., dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“ (Lk 1, 31 - 34)

In der linken Hand hält Jesus die Paradiesesfrucht als Zeichen der Macht (Reichsapfel) und als Symbol der Überwindung der Erbsünde.

Er ist der neue Adam, der Anfang einer neuen Menschheit.

Die rechte Hand ist segnend erhoben mit drei gestreckten Fingern, die auf die Dreifaltigkeit zeigen. Hier ist der aus Maria geborene Heiland, d. h. „der Heil und Leben mit sich bringt“, im Unterschied zu den Stammeltern Adam und Eva, auf die der Tod zurückgeht.

Jesus ist unbekleidet - ein Hinweis auf seine armselige Geburt im Stall von Bethlehem. Seine überkreuzten Beinchen lassen die Todesart auf Golgota erahnen.

Maria steht mit ihren Füßen auf der Mondsichel. Diese Stellung deutet Maria als die Frau aus der Apokalypse, dem letzten Buch der Bibel (Offb Kap 12,1: „...Der Mond war unter ihren Füßen...“).

Die Mondsichel, hier mit Menschenkopf, kann auch ein Symbol des Alten Testaments sein.

Somit trägt Maria die Vollendung der Heilsgeschichte auf ihrem Arm, wobei die Grundlage der erste Bund Gottes mit den Menschen ist. Der Mond gilt auch als Zeichen der Unbeständigkeit, weil er ab- und zunimmt.

Maria führt uns nach dieser Deutung zu dem beständigen und ewigen Jesus hin.

Beachtenswert sind auch die beiden Engel, die sich noch neben der Mondsichel befinden. Vielleicht wollte der Künstler damit ausdrücken, dass Maria über den Engeln steht und der Lobgesang Mariens im Lukasevangelium (1, 46 - 55) Wirklichkeit geworden ist:

„ ...Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter! Denn der Mächtige hat Großes an mir getan...“