Der hl. Josef ist für uns immer die Person im Hintergrund und doch ist er für das Leben Jesu von besonderer Bedeutung. Vielleicht war Josef erst in zweiter Ehe mit Maria verheiratet. Demnach wäre er bei seiner Verlobung bereits älter gewesen als Maria. (Eine Legende erzählt sogar, er sei bereits 80 Jahre alt gewesen). Wir können uns unschwer vorstellen, wie Josef zumute war, als er erfuhr, dass Maria schwanger war. Er wollte sich von Maria wenden, da erschien ihm ein Engel im Traum, um ihn zu beschwichtigen und ihm seine Zweifel an der Unberührtheit Marias zu nehmen.
In außerbiblischen Erzählungen hat sich die Legende dieses Themas angenommen. So wird etwa in phantasiereicher Weise erzählt, dass Josef und Maria zum Hohenpriester gerufen worden seien, der sie aufforderte, sich der Fluchwasserprobe zu unterziehen. Dabei mussten beide einen Fluchwassertrank einnehmen, der ihnen nicht schadete und damit ihre Unschuld bewies.
Aus dem Neuen Testament kennen wir einige Einzelheiten aus seinem Leben.
Josef, der gesetzliche Vater Jesu, war Zimmermann, bzw. Bauarbeiter und lebte in Nazareth. Nach dem Stammbaum, der bei Matthäus und Lukas aufgezeichnet ist, war er aus dem Geschlecht Davids. An mehreren Stellen des Neuen Testaments werden vier Brüder Jesu genannt, nämlich Jakobus, Joses (Josef), Judas und Simon. Es werden auch Schwestern Jesu erwähnt, jedoch nicht namentlich genannt. Ob die Geschwister Jesu Kinder aus Josefs erster Ehe sind, oder ob es nachgeborene Kinder aus der Ehe mit Maria oder ob es gar entfernte Verwandte Jesu sind, die dem damaligen Sprachgebrauch auch Brüder genannt wurden, ist heute aus den Schriften nicht mehr zu klären.
Josef floh mit seiner Familie nach Ägypten, um so dem Kindermord des Herodes zu entgehen. Nach der Rückkehr aus Ägypten hat er sich mit seiner Familie wiederum in Nazareth niedergelassen. Die Verfolgung und die Zeit in Ägypten sind als Parallele zum Leben des Mose zu verstehen.
Josef dürfte vor der Taufe Jesu gestorben sein, da
er im Unterschied zu Maria nicht mehr erwähnt wird.
Die Josefsverehrung hat bereits vor der Jahrtausendwende in der koptischen Kirche begonnen, wurde dann im Mittelalter als kritisch wegen des Vaterschaftsverhältnisses angesehen; die theologische Beschäftigung mit dem hl. Josef setzt erst mit Bernhard von Clairveaux ein. Seine Verehrung trat im Abendland lokal und privat aber bereits im 9. Jahrhundert in Erscheinung, öffentlich und liturgisch dann aber ab dem 15. Jahrhundert.
1479 wird sein Festtag auf dem 19. März ins römische Brevier aufgenommen. Im 16./17. Jahrhundert nahm sich besonders der Karmelitenorden des Kultes an, erklärte 1621 den „Nährvater Jesu“ im Generalkapitel zum Patron des erneuerten Ordens und führte mit kirchlicher Erlaubnis 1680 das Schutzfest des hl. Josef ein. Auf dem Höhepunkt der Josefsverehrung im 19. Jahrhundert wurde in den Kirchen neben Maria auch Josef als Einzelfigur aufgestellt, wie auch in Effeltrich. 1870 hat Pius IX. Josef zum Schutzpatron der gesamten kath. Kirche erhoben. Josef ist Schutzpatron vieler Länder wie Bayern, Böhmen und Mexiko, um nur einige zu nennen.
Josef ist Patron für einen guten Tod, Krankheit, Ehe und Familie, Erziehung, Herberge, sowie Zimmerleute. Josef wird nicht nur am 19. März, sondern auch am 1. Mai als Schutzpatron der Arbeit verehrt. Die Arbeit bekommt einen hohen Stellenwert. Sie setzt das Schöpfungswerk Gottes fort.
In der bildenden Kunst wird Josef bis in die Zeit des Barock immer im Zusammenhang mit der Geburt Jesu dargestellt, und zwar als Nebenfigur bei der Anbetung der Hirten oder der hl. drei Könige. Ab dem 15. Jahrhundert ist die Darstellung der hl. Sippe nach einer Vision der seligen Coletta Boilet (1408) besonders beliebt und daraus kristallisiert sich die Darstellung der hl. Familie (verweltlichtes Renaissancethema), wo Maria, Josef, Jesus und oft als Spielkamerad der ein halbes Jahr ältere Johannes der Täufer gezeigt wird.
Etwa zur gleichen Zeit wird mit zunehmendem Interesse an der Durchgestaltung landschaftlicher Hintergründe die Flucht nach Ägypten ein häufiges Motiv (z.B. Cranach).
Erst Bilder der hl. Familie im Mittelalter (z.B. Dürer) zeigen Josef bei der Arbeit. Sein Symbol ist der Winkel, mit dem er immer wieder dargestellt wird. Außerdem wird er auch noch mit Axt oder Säge abgebildet. In der theologischen Deutung ist damit die Arbeit selbst geheiligt. Es ist anzunehmen, dass auch Jesus bis zu seinem öffentlichen Wirken bei seinem Vater auf dem Bau mitgearbeitet hat.
In der Darstellung des Todes Josefs wird er dann zum Mittelpunkt der Bildgestaltung.
Im Barock wird er manchmal mit dem Jesuskind am Arm und einer Lilie (Zeichen für die Keuschheit) dargestellt. (Vgl. auch das bunte Glasfenster im Chorraum der Kirche.)
Die Figur des hl. Josef wurde ca. 1880 bis 1890 als Einzelfigur geschaffen und fand im rechten Seitenaltar ihren Platz zusammen mit der Herz Jesu Statue und Johannes dem Evangelisten als Gegenstück zu Maria, Katharina und Barbara im linken Seitenaltar. Erst bei der Renovierung im Jahre 1950 stellte man die Seitenaltäre aus Platzgründen anders, so dass der neugotische Aufbau keinen Platz mehr fand. Leider wurde der Altaraufbau verkauft und die Figuren ohne Rahmen auf die Seitenaltäre gestellt. Dadurch ging die Wirkung der einzelnen Statuen verloren. Jetzt hat der hl. Josef einen neuen Platz an der nördlichen Wand des Kirchenschiffes gefunden und schaut zum Kirchenportal, so dass jeder, der eintritt, auf den Heiligen blickt.
Die Darstellung des Heiligen hält sich an vorgegebene Schemen: Josef wird wie üblich als bärtiger Mann dargestellt, um den Altersunterschied zur mädchenhaften Maria anzuzeigen. Er hält in der Hand die Lilie, das Zeichen der Keuschheit und Reinheit.
Josef trägt das neutrale Heiligengewand, das keinen modischen Schwankungen unterworfen ist und sich von der Gotik bis ins 20. Jahrhundert verfolgen lässt. Unterschiedlich ist durch die Jahrhunderte jedoch die Ausformung des Gewandes, das in der Gotik den Körper verklärt, ihm aber eine gewisse Spannung verleiht (sog. S-Schwung), in der Renaissance mehr zur Statik neigt (- ganz vergleichbar unserer Figur), im Barock sehr lebhaft und bewegt wird, um dann in den späteren Darstellungen (z. B. wie hier in der Neugotik) wieder zur Ruhe zurückzufinden.
Im Ausklang des 19. Jahrhundert, in einem Zeitalter des Rationalismus haben wir die gleichen Tendenzen wie in der Renaissance. Der Mensch denkt aufgeklärt, und es geht auch in der darstellenden Kunst nicht um verklärende, sondern realistische Bilder.
„Die dienstwillige Bereitschaft, das ist sein Geheimnis“ (Alfred Delp). Erdverbunden wirkt Josef, wie er dasteht und uns ansieht: Hier bin ich, nicht eine Fiktion, eine Idee, ein Idealbild, sondern ein Mann der Arbeit. Ich habe in meiner täglichen Arbeit, in meiner Familie eine Aufgabe, einen Auftrag, den nur ich in der Schöpfungsgeschichte ausführen kann. Ich bin beauftragt und damit bin ich wichtig. Ich bin mehr als nur das kleine Rädchen in der Weltgeschichte. Ich habe in meiner Zeit den familiären Rahmen geschaffen, dass sich Jesus in seiner Persönlichkeit formen und ausbilden konnte, um sein Werk auszuführen. Ich habe Jesus ein Vaterbild vorgelebt, das in seine Predigten vom himmlischen Vater eingegangen ist.
Gott, du Schöpfer der Welt, du hast den Menschen zum Schaffen und Wirken bestimmt. Auf die Fürsprache unseres Schutzpatrons, des heiligen Josef, der mit seiner Hände Arbeit die Heilige Familie ernährte, gib uns Kraft und Ausdauer, damit wir deinen Auftrag auf Erden erfüllen und so den verheißenen Lohn empfangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.